An die St. Martin-Kinder 2014

 

Ich mag die St.-Martin-Feiern seit meinem ersten Jahr in Deutschland. Ich liebe die kleinen Kinder, die mit ihren Laternen singend herumziehen von Haus zu Haus.

Ich habe nicht erwartet, dass eines Tages St. Martin mit den Schulkindern, den Lehrern und Eltern hier in der Gemeinde Kürten eine große Rolle in meinem Leben spielen würden, indem sie hunderten armer Kinder Freude schenken im Rahmen meiner Hilfstätigkeit auf den Philippinen.

Seit 25 Jahren feiern wir hier auf den Philippinen den St. Nikolaustag, und die St.-Martin-Kinder aus Kürten füllen seit 23 Jahren die Tüten mit Spielsachen, Schulmaterial und Kleidung. Ich danke so sehr im Namen unserer Kinder hier.

Ich habe euch schon fröhliche und lustige Geschichten davon erzählt, wie die Spielsachen und Schultaschen und all das andere hier verteilt wurden. Während die meisten glücklich waren, gab es auch einige Kinder, die weinten, und Eltern, die das auch haben wollten, was andere bekommen hatten. Nicht nur Kinder wollten Kuscheltiere haben, sondern auch Erwachsene drängelten sich, um auch Spielsachen zu bekommen. Egal ob das Kuscheltier groß oder klein ist – es ist genug, um sie glücklich zu machen. Ja, denn sie hatten noch nie in ihrem Leben irgendwelche Spielsachen.

 

Nachdem unsere zehn Hänsel und Gretel Schulen den Nikolaustag gefeiert haben, kurz vor Weihnachten, fahre ich traditionell mit Säcken voll mit euren Kuscheltieren zu den Orten, die weit entfernt von der Stadt liegen. Dann verschenke ich überraschend die Kuscheltiere an Kinder, die gerade an der Straße entlang gehen, oder an eine Gruppe Kinder, die spielen. Sie können es nicht glauben, dass sie Kuscheltiere in ihren Händen halten, wie sie Kinder sind, die nicht einmal wissen, was ein Weihnachtsgeschenk ist. Sie haben noch niemals in ihrem Leben ein Weihnachtsgeschenk bekommen.

 

Im Juli dieses Jahres litt unsere Region unter einem sehr starken Taifun. So viele der leichten Palmhütten wurden zerstört – genauso wie Bananenpflanzen, Kokospalmen, Bäume, Getreidefelder zerstört wurden. Familien ohne festes Einkommen leiden derzeit Hunger, auch einige große Familien mit Schulkindern, in denen nur der Vater etwas Geld verdient. Denn es wird ein Jahr dauern, bis sie wieder Bananen oder andere Feldfrüchte ernten können. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie die kleinen Kinder überleben werden, ohne eine warme Mahlzeit am Tag essen zu können. Es bricht mir das Herz, an diese Kinder zu denken, die meistens zu den Aetas, den Ureinwohnern, gehören.

 

Letzte Woche kam ein Vater nachmittags zu mir, der 11 Kinder hat, um sich etwas Geld zu leihen, weil sie nichts zu essen hatten. Er beschloss, seinen Wasserbüffel zu verkaufen, um dafür Reis zu kaufen. Ich gab ihm Geld, damit er einen Sack Reis kaufen konnte und zugleich seinen Wasserbüffel behalten konnte, denn den braucht er für die Landwirtschaft. Dieser Sack Reis wird etwas mehr als zwei Wochen reichen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie er seine große 13-köpfige Familie über Wasser halten will, wenn der Sack Reis verbraucht ist, denn das macht mir schlaflose Nächte. Wie viele Familien brauchen in diesen Zeiten Reis? So viele von ihnen!

 

Zwei Monate vor dem Taifun hatten wir organisiert, dass die Aetas Süßkartoffeln anpflanzen und andere Feldfrüchte. Nach dem Taifun pflanzten wir weiter, weil so viele jetzt Hunger leiden. Es machten so viele Familien mit, weil wir für sie eine warme Mahlzeit kochten und ihnen einige Kilos Reis schenkten. Mir kamen die Tränen, weil es mir so leid tat zu sehen, wie sich die Kinder und Erwachsenen mit ihren Schalen nach Essen drängelten, wie sie aßen, um ihren leeren Magen zu füllen.

 

Wir werden mit dem Pflanzen weitermachen, sodass unsere Schüler etwas in der Schule zu essen bekommen.

 

Während ich das schreibe, werden die Einwohner in unserer Nachbarprovinz Albay evakuiert, weil der wunderschöne Vulkan Mayon, der für seine perfekte Spitze berühmt ist, von Tag zu Tag aktiver wird, bereit jeden Tag auszubrechen und Lava und Feuer zu spucken. Die Familien, die in der Nähe der Hänge wohnen, sind in Gefahr, so dass sie in Schulräumen untergebracht werden oder in Zelten ohne Wasser, Küche und Toilette. In einem Zelt sind etwa fünf Familien untergebracht – ohne jegliche Ausstattung. Zelte dienen Schulkindern auch als Klassenraum. Es ist hart, aber sie haben keine andere Wahl.

 

Wenn der Vulkan ausbricht, sieht es natürlich faszinierend aus, wie nachts das Feuer die Hänge hinunterläuft. Touristen kommen dann, um Fotos zu machen. Die Häuser und die Felder der Einwohner werden jedoch alle zerstört. Während des letzten Vulkanausbruchs wurden so viele Häuser mit Lava und Sand bedeckt, Tausende wurden obdachlos wegen der starken Masse aus Regen, Steinen und Sand, die die Hänge hinunterrann.

 

Es ist November und in einigen Wochen wird Weihnachten sein. Für die Familien hier in der Provinz Camarines Sur und auch in Albay wird es ein trauriges Weihnachten werden. Doch ich bin sicher, dass sie mit den Kuscheltieren und den Kleidungsstücken, die sie von euch bekommen werden, eine große Freude haben werden.

 

Danke, ihr lieben Freunde, dass ihr sie glücklich macht. Wir wünschen euch viel Segen und Gesundheit!

 

Carmen Dapilos

GGS Kürten-Olpe

Schulverbund

 

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